Watch Dogs Review


Hacken will gelernt sein

Bei Watch Dogs spielen wir Aiden Pearce: einen Hacker, der sich auf einem Rachefeldzug befindet. Nachdem ein digitaler Einbruch in einem Hotel von einer unbekannten Partei gestört wird, kann Aiden zwar fliehen, aber er steht von diesem Zeitpunkt an auf der Abschussliste. Bei einem Ausflug mit seiner Nichte gerät der ahnungslose Pearce ins Visier eines Auftragskillers. Bei dem sich anschließenden Unfall stirbt die kleine Nichte unseres Hauptcharakters. Zugegeben, das ist nicht die erste Rachegeschichte in der Historie der Videospiele. Aber daraus sollte sich doch eine interessante Geschichte basteln lassen, oder etwa nicht?

 

Spannung, Spiel, Watch Dogs?

 

Ubisoft schafft es, einige Charaktere in die Story einzubinden, die Spaß machen. Aber leider sind auch mindestens genau so viele Charaktere dabei, die nach 0815-Baukasten rufen. Leider gehört auch Aiden zu diesen Charakteren. Eine wirkliche Bindung zu ihm aufzubauen fällt schwer, weil er einfach charakterlos und wenig symphatisch wirkt. Mehr Tiefe hätte ihm nicht geschadet und so steuert man einen Charakter, der einem im schlimmsten Fall vollkommen egal ist.Insgesamt bleibt die Story unter ihren Möglichkeiten und ein kritischer Unterton hätte dem Spiel sehr gut getan, leider bleibt dieser aber aus. Charakter ist es auch, was dem virtuellen Chicago fehlt. Durch das sogenannte ctOS ist die gesamte Stadt in einem großen Netzwerk verbunden, was natürlich einem Paradies für Hacker wie Aiden gleichkommt. Für seine Taten, die man mit seinen Hackfähigkeiten und seiner Schusswaffe begeht, kann man Karma-Punkte sammeln. Ein gutes Karma zu bekommen geht unheimlich schnell und die ganze Stadt kennt einen dann, aber niemand reagiert auf Mister Pearce. Und bis zu den Antagonisten scheint die Bekanntheit auch nicht durchgedrungen zu sein, die wirken nämlich immer sehr überrascht im Bezug auf den Rächer. Und ein negatives Karma zu bekommen, ist fast unmöglich. Wenn man nicht absichtlich unzählige Passanten erschiesst, wird man nicht Gefahr laufen, von der Bevölkerung als böse wahrgenommen zu werden. Falls man es doch schaffen sollte, wird die Polizei öfter alamiert und die Nachrichten im Radio ändern ihre Einstellung zu Aiden. Aber die Stadt hat auch ihre schönen Seiten. Die Stadtteile unterscheiden sich und vom Wolkenkratzerviertel bis zum Vorort hat man einiges an Abwechslung. Des Weiteren wirkt die Staft sehr lebhaft. Man hat immer das Gefühl, als würde die Stadt wirklich leben, dadurch macht es Spaß durch das virtuelle Chicago zu fahren.

 

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Du musst die Taste drücken

 

Watch Dogs hebt sich bei der Thematik von der Konkurrenz ab. Das Hacken ist gerade durch die NSA-Affäre so aktuell wie noch nie. Umgesetzt wurde dies im Spiel durch einen simplen Druck auf die X-Taste (Viereck bei PS4), was sich langweilig anhört, aber gut funktioniert. Man kann z.B. Ampeln auf Grün schalten, Gasleitungen zum explodieren bringen und die Kommunikation der Gegner stören. Dadurch macht es schon Sinn, die Bedienung des Hackens so einfach wie möglich zu halten, weil es sonst in Drucksituationen schnell hakelig geworden wäre. Aber auch das Hacken bekommt weitere Varianten. Teilweise muss man Verteilerkästen aktivieren, indem man dem Datenstrom folgt und eine oder mehrere Schnittstellen aktiviert. Klingt einfch, wird aber teilweise sehr knifflig, denn es kann sich auch um eine lange Strecke handeln, die über mehrere Stockwerke verläuft. Dann gibt es noch ein Minispiel, dass meistens innerhalb der Story-Missionen zum Einsatz kommt, in welchem man Schranken in einem Datennetz so verstellen muss, dass man Zugriff auf Datensätze erlangt. Auch hier kann es kompliziert werden, vor allen Dingen, wenn man unter Zeitdruck steht. Wenn man an Passanten vorbei geht, bekommt man ein Profil angezeigt, was mit teils skurillen Informationen unterlegt ist, z.B. „Fußfetischist“ oder „guckt sich täglich Katzenvideos an“. Einige der Passanten kann man auch hacken und sieht dann Chats, die gerade geschrieben werden, hört ein Telefonat mit an, oder klaut Geld vom Bankkonto. Dadurch ist es unheimlich leicht Geld zu bekommen. Nach 2-3 Spielstunden hat man genug Geld, um keine Sorgen mehr zu haben. Bei Watch Dogs 2 muss man da am Balancing arbeiten.

 

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Watch Dogs – Hacken = Standard

 

Wenn man das Hacken mal ausser Acht lässt, bleibt das altbewährte Open-World-Gerüst. Man kann in jedes Auto einsteigen, kann sich Schusswechsel mit dem Feinden liefern und einfach die Stadt unsicher machen.Aber da es das Hacken gibt, werden diese Sachen aufgelockert. Bei Verfolgungsjagden kann man Straßensperren ausfahren und sogar Brücken hochfahen lassen, damit die Verfolger die Spur verlieren. Die meisten dieser Fähigkeiten muss man sich erst im Talentbaum freischalten. Für das bestehen von Story- und Nebenmissionen erhält man Erfahrungspunkte und Level-Ups. Man bekommt dabei so viele Skillpunkte, dass man nach kurzer Zeit die wichtigsten Fähigkeiten freigeschaltet hat. Das System bietet dadurch nicht allzu viel Langzeitmotivation. Zu jedem guten Open-World-Titel gehören Nebenmissionen, und damit kann Watch Dogs um sich schmeissen. Man kann das Verschwinden einiger Frauen aufklären, einen Waffenhändlerring sprengen und einfach in die Privatsphäre von Leuten eindringen, wobei sich einige lustige Szenen abspielen. Die schiere Masse an Beschäftigungen motiviert am Anfang ungemein, aber mit der Zeit wird man gesättigt und ertappt sich dabei, die Missionen erstmal sein zu lassen. Die Story-Missionen bestehen leider zum Großteil aus den gleichen Missionstypen, wie die Nebenmissionen. Abwechslung gibt es hier nur in einigen Aufträgen. Dies führt auch dazu, dass sich die Aufgaben mit der Zeit abnutzen. Hervorheben muss man hier aber die sogenannten „digitalen Trips“. Bei diesen kann man die Stadt zum Beispiel mit einer Riesen-Spinne aus Metall unsicher machen und muss mit dieser Gegnerwellen besiegen, oder man muss sich ohne Bewaffnung an patroulierenden Robotern vorbei schleichen, um einen Server zu hacken. Diese Missionen zeigen, dass Watch Dogs auch anders kann, als den Standard abzuspulen.

 

Doch nicht so hübsch

 

Grafisch spielt Watch Dogs auf Augenhöhe mit GTA 5. Die Licht- und Partikeleffekte sehen sehr gut aus und vor allen Dingen nachts im Regen sieht die Grafik sehr gut aus. Aber ohne diese Effekte bleiben schwache Texturen und gelegentliche Slowdowns, die den Spielspaß allerdings kaum beeinflussen. So gut wie die ersten Trailer sieht es auf jeden Fall nicht aus. Der Soundtrack von Watch Dogs sollte für jeden etwas bieten, von Rock bis Hip-Hop ist einiges dabei. Am besten ist die Sounduntermlung allerdings innerhalb der Missionen, wenn das Spiel dramatik vermittelt. Da hat die Soundabteilung von UbiSoft ganze Arbeit geleistet.

 

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Nanu, ich werde gehackt?“

 

Watch Dogs bietet auch einen Multiplayermodus. Kernelement ist auch hier wieder das Hacken. Man kann sich in das Spiel eines Freundes bzw. Fremden einklinken und muss versuchen, diesen solange unbemerkt zu hacken, bis man 100% der Dateien gestohlen hat. Der andere Spieler muss versuchen, dies zu unterbinden und den Eindringling zu finden. Daneben gibt es noch weitere Modi, wie z.B. das Online-Rennen, dass aber bedingt durch die schlechte Fahrphysik aber meistens eher im Chaos endet. Alles in allem ist der Online-Modus eine nette Dreingabe, aber nichts herausragendes

 

Wertung: 77%

Fazit Etzloets:

 

“Ist Watch Dogs ein gutes Spiel? Ohne jeden Zweifel, aber es ist kein großartiges Spiel. Man hat ein gutes Grundgerüst geschaffen, um beim zweiten Teil ein großartiges Spiel zu liefern. Ich würde mir etwas mehr Mut wünschen. Wenn man das Thema Menschenhandel einbindet, bitte auch konsequent. Und das Thema Hacken und Spionage bietet so viele Möglichkeiten, um ein Statement zu liefern und Kritik zu zeigen. Ubisoft hat alle Möglichkeiten dazu. Wenn Sie diesen Mut haben und an den Schwächen arbeiten, kann Watch Dogs 2 das Spiel werden, das sich die Spieler schon jetzt gewünscht haben. Und bitte arbeitet an der Fahrphysik, die ist nämlich nicht zu gebrauchen!”

 

Fazit Wulfaz:

 

“Watch Dogs ist für mich ein zweischneidiges Schwert: Auf der einen Seite macht das Hacken als Kernelement verdammt viel Spaß, auf der anderen Seite sind die Optionen letztlich doch zu gering – erst Recht, wenn einem das Spiel eigentlich ständig förmlich “Ballern ist doch eh geiler” zurufen will. Sei es die hakelige Steuerung, das schlechte Fahrverhalten der Fahrzeuge oder das bombardiert werden mit Fähigkeitspunkten. Für mich verkam das große Merkmal zum Ende hin eher zur Tortur als zum Spaßgaranten. Einziger Lichtblick ist die unterhaltsame Story mit Rache-Motiv und einigen coolen Momenten, leider wird dort auch wieder gewaltig Potenzial verschenkt. Und das typische Ubisoft Open-World-Rezept hat langsam spürbare Ermüdungserscheinungen. Ich hoffe, Watch_Dogs 2 schafft einen Sprung wie Assassins’s Creed 2 damals.”

 

Fazit Echelon:

 

“Mit Watch Dogs liefert Ubisoft ihre altbewährte und bekannte Formel in neuem Gewand ab. Das grundlegende Open-World Konzept unterscheidet sich nur geringfügig von einem Assassins Creed oder Far Cry 3 – mit all seinen Stärken und Schwächen. Man bekommt ein riesiges, verwinkeltes und sehr detailverliebtes Chicago der nahen Zukunft vorgesetzt. Das Alleinstellungsmerkmal – das Hacking – funktioniert dabei weitestgehend tadellos und wird in jeder Spielsituation immer sehr vielseitig eingesetzt und unterstützt sowohl bei den Schusswechseln, Stealth-Abschnitten, Verfolungsjagden oder bei der Erkundung der Stadt und schafft sogar gelegentlich Platz für ein paar ganz nette Rätsel. Größtes Manko des Spiels: Wie so viele UbiSoft Spiele läuft auch Watch Dogs Gefahr nach den ersten Stunden der Begeisterung sehr schnell abzubauen und eintönig zu werden. Dafür sind die Nebenmissionen zu dröge inszeniert und wiederholen sich zu häufig. Die Hauptmissionen bestehen letztendlich auch nur aus einer Aneinanderreihung sämtlicher Nebenmissionstypen. Die Story ist nicht spannend genug, um dieses Manko zu kaschieren. Alles in Allem “nur” ein solider Start einer neuen Marke mit großem Potential.”

 

Fazit Tombstone84:

 

“Rein spielerisch fühlt es sich an wie das erste Assassins Creed: viele gute Ansätze, die aber kaum genutzt werden. Hacking ist das große Zauberwort im Spiel, von anderen Smartphones, Bankautomaten bis hin zu Ampeln lässt sich im Prinzip alles hacken was digital verbunden ist. Ständig gleiches Gameplay und Missionsdesign sollen den Spieler bei der Stange halten. Die vielen Nebenaufgaben unterscheiden sich kaum bis überhaupt nicht von den Missionen in der Story. Nett sind die kleinen Minispiele wie z.B. Schachpuzzles, oder auch die digitalen Drogentrips in denen man mal als riesige Roboterspinne die Stadt bzw. die Polizei zerbröseln kann, oder per Killerwagen auf Dämonenjagd gehen darf. Man kann nur hoffen das Teil 2 so wird wie einst AC 2 und man das vorhandene Potential besser nutzt … bis es dann ins jährliche Update abdriftet.”

 

Screenshots sind Eigentum von Ubisoft

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