Wolfenstein: The New Order User-Review von Hollewood

Er ist wieder da! – Die Rede ist von keinem geringeren als Captain Wilhelm Joseph “B.J.” Blazkowicz, seines Zeichen Protagonist der bekannten wie beliebten Serie “Wolfenstein”. Nach seinen vorangegangenen Ausflügen in der Wolfenstein Serie, macht sich “B.J.” erneut daran, Nazi-Deutschland und im Besonderen seinen persönlichen Nemesis Wilhelm “Deathshead” Strasse (In der deutschen Version “General Totenkopf” genannt) in die Knie zu zwingen und den Alliierten zum Sieg über das deutsche Reich zu verhelfen. Doch im Gegensatz zu seinen bisherigen Feldzügen ist dieses Mal etwas anders. Und das hat nicht nur Auswirkungen auf das Ende des Zweiten Weltkrieges, sondern weit über diesen hinaus…

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Boom Boom Boom Boom, ich schieß dich einfach ab…

Das Spiel beginnt relativ konventionell und so startet man als Teil eines Alliierten Squads ein Jahr nach dem eigentlichen Ende des Krieges im Jahres 1946 und kämpft zu Luft an Bord eines Bombers gegen de feindliche Luftwaffe, ehe man seinen Kampf am Boden fortsetzt, während man versucht, eine Festung des oben erwähnten Deathshead zu stürmen. Dabei kämpft man gegen die typischen Gegner und Gefahren, die man auf dem Schlachtfeld erwartet – Genauer sind dies Soldaten, Flakstellungen, Roboter Hunde, Cyborgs und Kampfjets. Roboter Hunde, Cyborgs und Jets im Jahre 1946? Richtig – Irgendetwas scheint hier nicht zu stimmen und die uns bekannte Historie ist gehörig auf den Kopf gestellt. Zu allem Überfluss scheitert der Angriff auf die Festung und Captain Blazkowicz fällt nach einer schweren Verletzung in ein Koma, aus dessen er nach 14 Jahren im Wachkoma erwacht. Er befindet sich in einer polnischen Pflegeeinrichtung und wurde von dem dortigen Personal, insbesondere von der Krankenschwester Anya, gepflegt. Erst langsam realisiert B.J, was während seinem Koma passierte. Deathshead und seine Schergen haben mithilfe einer geheimnisvollen Hochtechnologie den Krieg gewinnen können und die Welt unterjocht. Als auch noch eine Division der neuen Weltmacht die Pflegeeinrichtung schließen will und sämtliches Personal, mit Ausnahme von Anya, sowie die Patienten tötet, kehren die Geister in B.Js geschunden Körper zurück und er rafft sich auf, dem Regime die Stirn zu bieten und mithilfe von Anya, die sich nebenberuflich als Teil des Widerstandes engagiert, dem Krieg eine erneute Wende zu verleihen.

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Tapferer, kleiner Liebling, ich bin dein und du bist mein…

Im Laufe des Spiels besucht B.J mit Hilfe des Widerstandes verschiedenste Orte, um Deathsheads Regime aufzuhalten. So führt euch der inszenierte Rachefeldzug in ein Gefangenenlager nach Kroatien, ins übernommene London, die Straßen von Neu Berlin und sogar an einen Ort, der für Normalsterbliche nahezu unendlich entfernt erscheint. Zwischen den einzelnen Missionen kehrt ihr immer wieder in das Versteck des Widerstandes zurück, um euch dort in Gesprächen mit euren Mitstreitern Infos über ihre eigene Geschichte anzuhören oder auch simple Nebenquests, wie z.B. das Suchen von Spielzeug für einen Kameraden, zu erledigen.

Während der Missionen, in der ihr des Öfteren auch auf die unheimlich (!) charmante Regimeanhängerin Fr. Engel und ihren Liebesknaben Bubi treffen werdet, stehen euch natürlich diverse Waffen zur Auswahl. Und hier spielt Wolfenstein: The New Order seine ganze Stärke aus. Neben der Pistole (Auch Schallgedämpft), einem Maschinengewehr, der Shotgun und anderem steht euch sogar ein Lasergewehr und 2 verschiedene Typen Granaten (Explosiv und Tesla) sowie die Rifle und ein LKW (Laserkraftwerk) zur Verfügung. Letzteres ist nicht nur unheimlich praktisch, um Löcher in Gitter zu brennen um versperrte Wege freizumachen, sondern auch um, nach einem Upgrade, heranstürmende Gegner vor Wut regelrecht platzen zu lassen. Wie es sich für einen Shooter gehört, der das Wort „Old-School“ für sich deklariert, können natürlich alle Waffen im „Akimbo“ Stil doppelt geführt werden. Das Trefferfeedback ist hervorragend, die Waffensounds gelungen. Standartmäßig könnt ihr auch eurer Kampfmesser benutzen sowie Wurfmesser sammeln. Die Messer eignen sich sehr gut für ein (für Wolfenstein) untypisches, stealthiges Vorgehen. Das Spiel bietet dem Spieler fast immer die Möglichkeit, seinen Stil selbst zu wählen. Wer lieber mit 2 Shotguns im Anschlag die Räumlichkeiten stürmt und unter lautem Grollen den Wänden aufgrund der expliziten Gewaltdarstellung (Der rote Saft fließt in Strömen, Körperteile können gezielt vom Körper geschossen werden) einen neuen Anstrich verpassen möchte kann dies genauso tun, wie sich leise mit dem Messer den Soldaten zu nähern und sie im Einzelgespräch von der Sinnlosigkeit ihres Unterfangen zu überzeugen.

In den Level verteilt finden sich sogenannte Enigma Codes, die gesammelt und als Ganzes entschlüsselt werden können. Diese Codes schalten zusätzlichen Content in Form von Artworks, Making of Videos und ähnlichem frei und bieten Spielern einen zusätzlich Anreiz, die Levels nicht einfach nur wild ballernd zu durchlaufen, sondern einen genaueren Blick zu riskieren. Dabei findet ihr auch immer wieder Plakate oder Zeitungsartikel, die grob erklären, was in den vergangenen Jahren passierte und wie es genau zu dieser Dystopie kommen konnte. Diese kleinen Details tragen viel zu sehr guten Atmosphäre bei, jedoch bleibt auch vieles im Unklaren und wird einfach als gegeben hinkommen. Etwas mehr zu dem „Wieso/Weshalb/Warum“ wäre wünschenswert gewesen. Ein besonderes Lob gebührt den Entwicklern von Machine Games aber fürn den gelieferten „Fanservice“ in Form von extra produzierten, musikalischen Klassikern in „Neudeutscher“ Form (Unter „Neumond Records“ findet ihr auf YouTube die Liedauswahl) sowie der exzellente Synchronisation. Die deutschen Gegner werden auch von Menschen synchronisiert, die die Sprache beherrschen und so kann man sogar vereinzelt Gesprächen in Bayrischen und Sächsischen Dialekt lauschen. Aber ausgerechnet der Oberbösewicht Deathshead macht hier eine Ausnahme. Dieser wird synchronisiert von Dwight Schultz, besser bekannt als „Murdock“ aus dem A-Team. Dieser ist zwar als Synchronsprecher in vielen Videospielen sehr renommiert, aber leider bemerkt man trotz großer Mühen das ein oder andere Mal die amerikanischen Wurzeln. Die deutsche Synchronisation indes ist ebenfalls sehr gut, nur leider fehlt hier aufgrund der Gesetzeslage manchmal der richtige Bezug auf die Geschehnisse.

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Und so bleib ich halt bei meinen kleinen VW

Wie auch der singende Frontsoldat Hans, der stolz seinen kleinen VW besingt, gibt sich die Technik. Grundsolide wie ein VW Käfer, aber ohne die Next-Generation Eleganz eines Phaeton. Immerhin läuft das Spiel auf Xbox One / PS4 in 60 fps und 1080p Auflösung. Das Bild ist dementsprechend ruhig und sauber, die Spielbarkeit überzeugend. Älteren Semestern noch bekannt, ist das Gesundheitssystem. Anders wie heute üblich regeneriert sich die Energie nicht automatisch sondern nur 20er Schritten. Das schaut wie folgt aus: Liegt eurer Energie nach einem Treffer bei 25 Punkten und ihr geht in Deckung, regeneriert sie sich auf 40 Punkte usw. Um die Energie zu erhöhen liegen die traditionellen Medipacks aus, zudem besteht die Möglichkeit, Rüstungsteile zu finden oder von gefallenen Gegnern zu übernehmen. Der Rüstungswert verringert den erlittenen Schaden und ist vor allem im letzten Drittel des Spiels unabdingbar, denn ab dann legen die Soldaten des Regimes nicht nur Mengenmäßig eine Schippe drauf und der an sich moderater Schwierigkeitsgrad steigt etwas ungleichmäßig an. Die Feinde sind übrigens mäßig intelligent aber hartnäckig und beziehen ihre Gefahr hauptsächlich durch ihre mengenmäßige Überlegenheit. Zudem bietet das Spiel eine Art „Level“ System. Erledigt ihr vorgegebene Aufgaben (Tötet X Gegner mit Waffe Y, Führe X Stealthkills aus, etc.) könnt ihr in verschiedenen Kategorien neue Fähigkeiten erlernen, wie eine bessere Nutzung der Rüstung, das Zurückwerfen von Granaten oder die Geräuschminderung beim Rennen. Das System ist nett, aber wirklich relevant ist es nicht.

Fazit und Wertung

Wolfenstein: The New Order ist ein Ego-Shooter wie er im (Geschichts)buche steht. Die knallharte Action überzeugt, gepaart mit der soliden Technik und der vorbildlichen Synchronisation erzeugt das unkonventionelle Setting eine unheimlich dichte Atmosphäre. Trotzdem wäre es schön gewesen, neben dem im Spiel befindlichen Zeitungsartikeln und den Infos, die während der Story ans Licht kommen, etwas mehr über die Entwicklung des Regimes während der Zeitspanne von 1946 – 1960 zu erfahren.

Dennoch – Der Kampf gegen Cyborg Hunde, haushohe Kampfroboter und den ihrer Zeit weit voraus ausgestatten Regime macht unheimlich viel Spaß und so wird man während der ca. 8 Stunden dauernden Kampagne bestens unterhalten – Auf einen Multiplayer wird übrigens gänzlich verzichtet Ein Pflichtkauf für alle Wolfenstein und Shooter Fans!

Wertung: 85%

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